Interview der Zeitschrift Mein-TV-und-ich zum Thema Selbstbewusstsein
Mai 27th 2011GedankenlandAllgemein
1.) Warum kritteln Frauen so oft an sich herum?
Schönheit ist eines der wichtigsten Kriterien im Rollenbild einer Frau. Und Frauen sprechen, im Gegensatz zu Männern, häufig und gerne über Ihre Gefühle, Sorgen und Probleme. Denn darüber sprechen ist bereits ein Teil des Lösungsverhaltens. Dieser Umstand erweckt, zumindest nach außen, den Anschein, dass Frauen häufiger unzufrieden sind mit Ihrem Aussehen.
2.) Warum wollen wir immer schön sein und anerkannt werden?
Dies ist evolutionspsychologisch bedingt. Schönheit steht für Gesundheit und Fruchtbarkeit. Wer schön, gesund, erfolgreich und anerkannt ist, steht in der Hierarchie weiter oben und verbessert dadurch seine Chancen auf einen potenziell ebenfalls schönen, gesunden und erfolgreichen Partner.
Und letztlich ist allen Lebewesen, egal ob Pflanze, Tier oder Mensch, ein Hauptziel gemeinsam: Reproduktion und damit die Weitergabe und Verbreitung der eigenen Gene.
3.) Ist das eigentlich ein typisch weibliches Problem?
Auch Männer sind unzufrieden und haben „Problemzonen“. Nur sind das beim Mann naturgemäß nicht die typisch weiblichen Stellen wie Oberschenkel, Po und Oberweite.
Männer hadern eher mit ihrem Bierbauch, wären gerne muskulöser oder klagen über ihr schütteres Haar. Außerdem werden an einen Mann andere Anforderungen gestellt: Geld, Macht, beruflicher Erfolg sind die Größen, an denen man Männer misst.
Und Männer sprechen in der Regel weniger offen über ihre Gefühle. Es passt nicht ins typische Rollenbild, wenn ein Mann seinem bestem Freund vorjammert, dass er zu dick ist. Ein Mann macht das in der Regel mit sich selbst aus oder kompensiert solche Komplexe eher durch sein Verhalten.
4.) Wie kann man den Perfektionsdrang stoppen?
Man muss sich vor Augen halten, dass die Medien uns ein völlig unrealistisches Idealbild vorgaukeln. Dieses Ideal geht leider auch immer mehr zulasten der Gesundheit. Daher sollte man sich zunächst einmal klarmachen, dass das, was uns täglich im Fernsehen vorgesetzt wird oder uns von extrem bearbeiteten Werbefotos anlacht, nicht der Realität entspricht. Da wird mit Unmengen von Makeup, falschen Wimpern, Haarverlängerungen, falschen Nägeln und dem richtigen Licht getrickst. Und was nicht kaschiert und überschminkt werden kann, wird eben unter dem Skalpell gerichtet.
Hinzu kommt, dass es quasi der Job dieser Medienmenschen ist, gut auszusehen. Daher investieren sie auch einen Großteil ihrer Zeit in ihren Körper und ihr Aussehen. Friseurbesuche, Fitness-Studio, Solarium, Maniküre etc. gehören damit quasi zum Job dazu. Diese Zeit haben „normale“ Menschen mit „normalen“ Jobs neben Familie und Arbeit, einfach nicht zur Verfügung. Wir „Normalos“ haben keinen Personal Trainer und auch keine eigene Stylistin. Stoppen kann man diese Entwicklung, indem man sich wieder seiner selbst bewusst wird und aufhört, sich ständig mit diesen Kunstprodukten zu vergleichen. Es geht darum, wieder zu spüren, was der Seele und dem eigenen Körper wirklich gut tut. Und dazu zählen hungern, Schönheits-OPs und übertriebener Schönheits-Wahn mit Sicherheit nicht. Man sollte keinem kommerziellen Phantasiegebilde hinterherjagen, sondern sich klarmachen, welche Werte im realen Leben benötigt werden und was langfristig glücklich macht.
5.) Was kann ich konkret tun, wenn mich der Ärger über meine Problemzone wieder überkommt (vorm Spiegel/beim Kleiderkauf etc.)?
Hier hat sich das Prinzip der Achtsamkeit bewährt. Achtsam zu sein bedeutet, dass man ganz im Hier und Jetzt ist. Dass man sich seiner momentanen Gedanken und Handlungen bewusst wird und diese dann neutral und ohne sie zu bewerten, betrachtet. Dadurch erreicht man, dass man unbewusste Denk- und Verhaltensmuster aufdeckt. Und wenn man diese falschen Muster aufdeckt, kann man sie stoppen. Wenn sich der innere Kritiker wieder zu Wort meldet und uns mit Gedanken wie „Dein Hintern ist zu dick“, Deine Brüste sind viel zu klein/zu groß“ oder „Deine Nase ist riesig“ mal wieder so richtig schön fertigmachen möchte, dann lenken wir die Aufmerksamkeit zurück auf das Hier und Jetzt. Wir stoppen ganz bewusst diese Gedanken. Das erfordert Übung, denn gewöhnlich gibt der innere Kritiker nicht so schnell Ruhe und unsere Gedanken kreisen weiter um die vermeintlichen Problemzonen. Wir können dann die negativen Gedanken durch positive Affirmationen ersetzen wie: Ich bin ein wunderbarer Mensch. So wie ich bin, bin ich gut. Mein Körper und meine Seele sind schön und gesund.
Weiterhin sollte man die Aufmerksamkeit weg von den Schwächen und stattdessen hin zu den Stärken und Vorzügen legen.
6.) Wie lernt man, sich so zu akzeptieren, wie man ist?
Ob ich mich als schön empfinde oder nicht, hängt in erster Linie von meinem Selbstbild ab. Daher kann Mentales Training hier viel bewirken. Ihr Kopf entscheidet darüber, ob Sie sich für zu klein, zu dick, zu unscheinbar halten oder ob Sie mit sich und Ihrem Körper im Reinen sind. So können Suggestionen, auch unterstützend in Hypnose, und Affirmationen helfen, das Selbstvertrauen wieder aufzubauen und eine neue Sichtweise zu erhalten. Auch spezielle Meditations-Übungen, wie beispielsweise die Körpermeditation oder die Übung, sich selbst in Gedanken zu umarmen und mit Liebe zu durchfluten, können helfen, den Körper wieder positiv und freundschaftlich wahrzunehmen. Schönheit ist subjektiv – wer sich selbst für schön hält und seinen Körper mag, strahlt dieses Gefühl auch aus und wirkt damit anziehend auf andere.
7.) Wie kann ich mein Selbstbewusstsein stärken?
- Den Blick auf die eigenen Stärken richten.
Jeder Mensch hat Schwächen, Dinge, die er nicht gut kann, nicht gerne mag usw. Das gehört zum Menschsein dazu. Beschäftigen Sie sich doch lieber mit Ihren Stärken und den Dingen, die Sie gut können oder gerne machen.
- Den inneren Kritiker stoppen.
Wann immer Sie sich selbst wieder dabei erwischen, wie Sie sich selbst kritisieren und niedermachen, stoppen Sie diese Gedanken. Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Gedanken Sie negativ beeinflussen.
- Positive Affirmationen
Ersetzen Sie negative Gedanken wie „Ich bin absolut unfähig, ich bin zu dick, ich bin hässlich“ usw. durch positive Glaubenssätze wie „Ich bin ein wunderbarer Mensch. Ich werde geliebt und geschätzt. Ich liebe meinen Körper“, die Sie sich wie ein Mantra jeden Tag immer wieder vorsagen.
- Machen Sie eine Liste mit Ihren Stärken
Schreiben Sie alle Eigenschaften und Fertigkeiten auf, für die Sie schon einmal ein Lob erhalten haben (Augen, Lippen, Haare, Lächeln, Beine, Ihre Ehrlichkeit, Ihren Humor, Ihre Zuverlässigkeit).
- Sparen Sie nicht mit Eigenlob
Wann immer Sie etwas auch nur ansatzweise gut machen, loben Sie sich! Eigenlob ist sehr wichtig. Entwickeln Sie sich selbst gegenüber eine freundschaftliche und wohlwollende Haltung.
- Seien Sie nachsichtig
Menschen mit wenig Selbstbewusstsein sind meist selbst ihr strengster Kritiker. Seien Sie sich selbst ein guter und nachsichtiger Freund und seien Sie barmherzig zu sich selbst.
- Keine Vergleiche ziehen
Hören Sie auf, sich ständig und immer zu vergleichen. Vergleiche führen schnell zu Frust und sorgen dafür, dass wir uns unterlegen fühlen.
- Nichts und niemand ist perfekt!
Lernen Sie, Ihre kleinen Fehler, Schwächen und Macken zu akzeptieren und nehmen Sie sich so an, wie Sie sind. Niemand ist perfekt! Und gerade diese kleinen Macken und Unvollkommenheiten machen uns einzigartig.


